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Pescare perle

Opening 24.04.26 – 6 pm

Hoto Galerie

Potsdamer Straße 75, Berlin

PESCARE PERLE 

Opening: Friday 24th April – 6pm

Die neuen Arbeiten von Yvonne Andreini sind eine Ode an das Sich-Hineinwerfen, an das Sich-dem- Leben-Aussetzen und an das Vertrauen in das, was daraus entstehen kann. In der Ausstellung Pescare Perle entwirft sie Bildwelten, die aus innerer Bewegung sowie aus Begegnung heraus in ständiger Transformation begriffen sind. Zugleich tragen diese Arbeiten eine neue Offenheit in sich: ein Suchen nach jenem Etwas, einem Wert oder Bedeutung, nach einer Form, die sich immer wieder zeigt: Sie ist rund und mal sichtbarer und verdichtet, mal verborgen als Perle in ihrer Muschel.

Charakterisiert durch Bewegung und Tiefe durchzieht Wasser die Arbeiten. Ein Element, in das man eintaucht, ohne es vollständig zu durchdringen. Es ist ein Raum, der Respekt verlangt und zugleich trägt. Das Bild des Tauchens ist darin bereits angelegt: Wer nach Perlen sucht, bleibt nicht an der Oberfläche, sondern geht in die Tiefe, um dort nach Kostbarem zu suchen. Das bewusste Hineinbegeben in ein offenes, unkontrollierbares Feld spiegelt sich in Andreinis Malerei. Ihre Bilder folgen dieser Bewegung: Windungen, Schwünge, Wellen und Überlagerungen von Linien und Farben durchziehen die Leinwände. Sie wirken frei und ungebändigt, sind jedoch zugleich strukturiert und gehalten. Wie das Leben selbst bewegen sie sich zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Inmitten eines oft überwältigenden Weltgeschehens – eines Strudels aus Bewegung und Unübersichtlichkeit – richtet sich der Blick auf das, was darin Bestand hat: auf Bedeutung im Kleinen, auf das, was wir als wertvoll bestimmen.

Die raumgreifende Arbeit auf zwei Leinwänden zeigt einen Taucher, der sich in ein solches Gefüge hineinwagt. Ein Rahmen durchzieht die Bildfläche, während Schlaufen und Wellen darüber hinausdrängen. Im Hintergrund zeichnen sich architektonische Formen ab, Bögen, vielleicht eine Tür. Fast beiläufig entdeckt man die Figur des Tauchers: ein Körper, der sich in die über die Leinwand wirbelnden Bewegungen fallen lässt. Trotz aller Dynamik bleibt das Bild gefasst; der Rahmen hält das Geschehen zusammen. Es ist, als würde der Sprung ins Unbekannte zugleich in einen bestimmten, gesetzten Raum führen. Das Fresko auf einem Grabdeckel des sogenannten „Tauchers aus Paestum“ (ca. 480–470 v. Chr.) ist Referenz für Andreinis Arbeit. Es zeigt einen jungen Mann, der von einer Art Sprungturm kopfüber in die Tiefe springt. Während hier der Sprung als Übergang gesehen werden kann, als Schwelle zwischen Leben und Tod, wird bei Andreini dieses Motiv in die Gegenwart verschoben: Der Sprung ist weniger endgültig als vielmehr existenziell – ein Bild für das bewusste Sich-Aussetzen, für den Moment, in dem man sich in das Ungewisse hineinbegibt.

Neben einigen „Still“-Leben jener wertvollen Perlen, dem verheißungsvollen Fund, wenden sich in anderen Bildern Figuren einander zu und treten in Beziehung. Aus ihren Begegnungen verdichten sich Strukturen, aufgeladen geht aus ihnen eine Kraft in Form von Blasen und Linien hervor, die sich im Bild ausbreiten und zunehmend Raum einnehmen, bis sie ihren eigenen Ursprung vereinnahmen.

Die Arbeit der zwei sich gegenübersitzenden Frauen nimmt konkret Bezug auf ein Gemälde (um 1594), auf dem Gabrielle d’Estrées, die Mätresse von König Heinrich IV., und eine ihrer Schwestern zu sehen sind. Es ist ein Bild von Intimität, Macht und politischer Bedeutung: Die Schwester berührt die Brustwarze Gabrielles und macht damit ihre Schwangerschaft sichtbar. Andreini greift diese Konstellation auf, verschiebt jedoch ihren Fokus: Die Körper werden zu Trägern von Fülle und Abundanz, die Brüste zu Orangen. Die Berührung ist kein Narrativ von Verrat, sondern eines des Zusammenhalts, der gegenseitigen Stärkung.

Ähnlich konzentriert ist eine Badewannenszene: zwei Körper in einem begrenzten Wasserraum. Die Situation ist intim, beinahe rituell aufgeladen als Moment der Reinigung, des Innehaltens, des Aufeinander-Bezogen-Seins. Die Perlen im Bild tauchen nicht als dekoratives Element auf, sondern als Setzungen: als Marker von Wert, als Punkte, an denen sich Bedeutung im Bild verdichtet.

Die Idee des Perlentauchens – Pescare Perle – wird zum Leitbild der Ausstellung. Es beschreibt eine Bewegung in die Tiefe, eine Suche, die Möglichkeit des Findens. Andreinis Arbeiten folgen diesem Prinzip: Sie sind durchlässig, nicht überdeterminiert. Sie lassen Raum für Assoziationen, für das, was sich zwischen den Linien und Bewegungen bildet, und sie zeigen die Momente, in denen Bedeutung greifbar wird, die sich nur im Eintauchen, im Risiko und im Vertrauen erschließen.

Verena Osthoff

Next Exhibition:

yvonne-andreini-the-voices-we-inherit

„The Voices we inherit“

6 – 29 May 2026, Forum Gallery Zagreb

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